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Wer sich nicht täglich mit Wein beschäftigt, für den kann der Einkauf von Wein für einen gemütlichen Abend oder ein romantisches Dinner schnell zur Herausforderung werden. „Wo kauft man am besten Wein?“ und „Welcher Wein passt am besten zum Essen?“ sind häufige Fragen. Anlässlich einer vom deutschen Kork-Verband veranstalteten „Gourmet Academy“ zum Thema „Kork. Stil. Bewusst. Leben.“ hatten wir Gelegenheit den bekannten Wein-Sommelier Rakhshan Zhouleh zum Interview zu treffen und ihm einige Antworten zu entlocken.

Wo kauft man am besten Wein?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auch abhängig davon wo man lebt. Gut sind natürlich Weinläden geeignet, wenn man einen in der Nähe kennt. Oft bleibt aber nur der Gang zum Supermarkt, bei denen es mittlerweile aber auch häufig eine große und gute Weinauswahl gibt. Manchmal hat man sogar Glück, dass sich im Supermarkt ein Mitarbeiter gut mit Wein auskennt und beraten kann.

Da sollte man nicht schüchtern sein, sondern am besten einfach nachfragen. Manchmal kann auch die Frage an den Verkäufer: „Was ist ihr Lieblingswein?“ hilfreich sein. Menschen sind aber manchmal auch einfach wie ein Wein-Etikett: „Man schaut sie an und es kommt nicht viel dabei rüber…“

Welcher Wein aus dem Supermarkt ist gut?

Die Regale im Supermarkt sind meistens aufgeteilt. Unten stehen die billigen Weine, auf Augenhöhe das mittlere Preissegment und oben die etwas teureren Flaschen. Teuer ist in diesem Fall aber nicht immer gut. Ich persönlich achte dann auf das Etikett und das Flaschendesign. Bei auffälligen Etiketten bin ich meistens skeptisch. Auch  bei Flaschen die bereits rabattiert sind, ist es häufig so, dass sie regulär anscheinend nicht so gut liefen.

Am besten kauft man schon mal nicht von ganz unten im Regal. Häufig kann es ein gutes Indiz sein darauf zu achten, welche Rebsorte für das jeweilige Land typisch ist. So sind meiner Meinung nach zum Beispiel die Chancen für einen guten Merlot bei einem Winzer aus Frankreich höher, da man dort eine größere Erfahrung mit dieser Rebsorte voraussetzen kann.

Welchen Wein sollte ich zum gemeinsamen Abendessen kaufen?

Dafür ist es hilfreich sich im Voraus zu überlegen, welches Gericht der Gast gerne isst. Hieraus kann man häufig auch den Geschmack seines Gastes und auch den passenden Wein abschätzen. Wichtig ist es, dass der Wein zum Essen passt. Wenn man unsicher bei der Auswahl ist, kann eine Beratung wie oben beschrieben hilfreich sein. Für ein gelungenes Abendessen ist ein guter Wein für mich der beste Ausgangspunkt, daher sollte man hier sorgfältig überlegen.

Sollte man den Wein vor dem Essen dekantieren?

Das ist für mich ganz unterschiedlich und auch vom persönlichen Geschmack abhängig. Ich persönlich würde allerdings sogar eher einen Weißwein dekantieren als einen Rotwein. Es bietet sich an damit zu experimentieren, ob einem der Wein dekantiert oder undekantiert besser schmeckt. Mittlerweile gibt es ja auch viele Dekantierausgießer mit denen Weine schneller dekantiert werden kann, als mit einem herkömmlichen Weindekanter. Auch hier heißt es ausprobieren, um den besten Geschmack für sich zu finden.

Was ist mit klassischen Regeln: „Weißwein zu Fisch – Rotwein zu Fleisch?“

Ein kräftiger Fisch braucht für mich zum Beispiel auf jeden Fall auch einen kräftigen Weißwein als Begleiter. Zu einem nicht ganz so kräftigen Fisch könnte man aber auch einen nicht ganz so starken Rotwein servieren. Ähnlich verhält es sich mit Fleisch. Allgemein gut ist es, über den Wein einen Brücke zum Gericht zu bauen und so beides miteinander zu verbinden. Es ist sehr von dem individuellen Charakter des Wein abhängig, wozu er gut passt.

Allgemein rate ich dazu sich erst den Wein auszusuchen und dann das passende Gericht darum zu kreieren. Hier kann man auch mit der Farbe, dem Geruch und dem Geschmack des Weins experimentieren und diese Aspekte in das perfekte Dinner einarbeiten.

Beim Wein-Kauf besser Schraubverschluss oder Korken?

Ich finde bei vielen Veranstaltungen wie zum Beispiel Partys ist es nicht so wichtig, ob es jetzt ein Wein mit Schraubverschluss oder einer mit Korken ist insbesondere auch wenn die Gäste keine absoluten Weinkenner sind. Letztendlich kommt es bei Wein auf den Flascheninhalt an. Schlechten Wein sollte man generell meiden.

Dabei gibt es natürlich Schraubverschluss-Weine die sehr gut sind, aber auch welche die sehr schlecht sind. Genau so ist es auch mit natürlich verkorkten Weinen. Einen guten Wein erkennt man nicht daran, ob er nun einen Korken hat oder nicht.

Das Schöne am Wein mit Naturkorken ist für mich ohnehin das Ritual, welches auch ein Ausdruck eines gewissen Stils und Lebensgefühls ist. Das „Plopp“ des Weinkorkens ist ein stilvoller Moment, wenn es darum geht ein Dinner zu beginnen oder einen Abend ausklingen zu lassen…